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Corona in Asien: Zivilgesellschaftliche Länderperspektiven

Chinas Health Silk Road: Internationale Solidarität oder politische Strategie?

Ländern, denen die Ressourcen im Kampf gegen das Coronavirus fehlen, liefert China Schutzkleidung und Test-Kits. Dazu hat die Kommunistische Partei Chinas den Begriff Gesundheits-Seidenstraße (Health Silk Road), eine rhetorische Erweiterung von Chinas "Belt and Road Initiative" (BRI), ausgegraben. Doch das Auftreten Chinas wird in manchen Ländern kritisch betrachtet: Was vermeintlich solidarisch scheint, entpuppt sich als Strategie Chinas, sich als weltweit führende Gesundheitsorganisation zu profilieren und das internationale Ansehen zu verbessern. 

Kategorien China | Politische Systeme

Anstieg von Suizidversuchen und Todesfällen unter den städtischen Armen Thailands

Die Suizidrate unter den städtischen Armen Thailands ist laut einer aktuellen Studie im April 2020 deutlich angestiegen. Die Zahl sei dreimal so hoch wie im Vorjahr. Die mit dem Ausnahmezustand verbundenen Maßnahmen könnten die Ursache dafür sein, so die Forschungsgruppe. Der Bericht kritisierte Maßnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen der Pandemie auf die Bevölkerung, insbesondere auf die Arbeiterklasse, als ineffizient. Es solle inklusivere und angepasste Strategien für die Armen ergriffen werden. Die Studie ist in Thailand derzeit in den Schlagzeilen und wird kontrovers diskutiert.

Kategorien Corona | Politische Systeme | Thailand

COVID-19 und Flüchtlinge in Asien

Rund 3,5 Millionen Geflüchtete leben zurzeit in Asien. Die meisten von ihnen sind Afghanen und Rohingya aus Myanmar. Camps für Geflüchtete bieten ein besonders hohes Risiko zur Übertragung des Virus; zu viele Menschen auf engem Raum, kein Zugang zu medizinischer Versorgung und schlechte Hygienestandards erhöhen das Übertragungsrisiko. Experten prognostizieren daher, dass es in 12 Monaten möglicherweise über 500.000 COVID-19 Infektionen in solchen Camps geben wird. Es bestehe daher ein dringender Handlungsbedarf seitens nationaler Regierungen und Hilfsorganisationen, um extreme Ausbrüche zu verhindern. 

Kategorien Menschenrechte | Asien

COVID-19 - Ein Weckruf zur Umbildung der Wirtschaft von Timor-Leste

In Timor-Leste erleben wir, was passiert, wenn ein Land mit einem schwachen Gesundheits- und Bildungssystem sowie einer unterentwickelten Landwirtschaft mit einer großen Krise konfrontiert wird. Langfristig, so Joao da Cruz Cardoso, ist es jedoch unerlässlich, in diese Schlüsselsektoren zu investieren. "Heute könnte COVID-19 die Krise sein, die uns zwingen kann, unseren Entwicklungsansatz zu ändern, bevor unsere knappen Ölgelder ihr Ende finden."

Kategorien Corona | Soziale Ungleichheit | Timor-Leste

Grenzen der Solidarität

Hunderte Rohingya befinden sich auf zwei Booten in der Bucht von Bengalen in der Hoffnung auf Asyl. Und wieder einmal entziehen sich anliegende Staaten ihrer Verantwortung, Hilfe zu leisten und Asyl zu gewähren. Die Corona-Pandemie und der Schutz der Bürger*innen wird hier wie auch anderswo als zentrales Argument vorgeschoben. Dominique Virgil beleuchtet kritisch in seinem Beitrag in der Bangkok Post, warum COVID-19 keine Rechtfertigung für die Verletzung internationaler Vereinbarungen und daraus abgeleiteter staatlicher Pflichten sein kann.

Kategorien Corona | Internationale Solidarität | Myanmar | Thailand | Pakistan | Indien | Bangladesch

Bedrohte Informations- und Meinungsfreiheit

Das Recht auf Information ist gerade inmitten einer Pandemie essentiell. Menschen müssen Zugang zu aktuellen Nachrichten und Informationen von unabhängigen und zuverlässigen Quellen haben, um sich selbst und andere schützen zu können. Ebenso der prüfende Blick der Öffentlichkeit auf staatliches Handeln ist grundvoraussetzend in Demokratien. Die Regierung Myanmars übt sich gegenwärtig jedoch in der Repression unabhängiger Medien und Journalist*innen, darunter viele Websites der Minderheiten.

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Im Blindflug durch die Coronakrise

Myanmar begegnet den wachsenden COVID-19 Infektionszahlen mit einem Lockdown. Es sei gegenwärtig noch nicht abzusehen, ob dem Land eine Eindämmung der Pandemie gelingt, meint der Büroleiter der Heinrich Böll Stiftung in Yangon, Axel Harneit-Sievers. Die Grenzschließungen zeigten inzwischen drastische Auswirkungen auf die Wirtschaft und die gesunkene Nachfrage aus dem Westen trifft insbesondere die Textilwirtschaft. Währenddessen seien weiterhin bewaffnete Konflikte und die Repression von Meinungsfreiheit an der Tagesordnung.

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Coronakrise verschärft Situation der Armen in Indien

«Uns haben sie vergessen». Nach Schätzungen sind in Indien mehr als 90 Prozent aller Arbeitnehmer*innen im informellen Sektor beschäftigt. Sie sind tagtäglich darauf angewiesen, Arbeit zu finden, um sich und ihre Familien über Wasser halten zu können. Die Auswirkungen der weitgehende Ausgangs- und Kontaktsperre sind für die armen Bevölkerungsschichten verheerend, zeigt Muriel Weinmann ( Südasien-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung, 6.04.2020) auf. 

Die Regierung verspricht Hilfe und steht vor dem Problem der Umsetzung. Viele Wanderarbeiter*innen verfügten weder über die notwendigen Dokumente noch über ein Bankkonto, um die Hilfsprogramme der Regierung in Anspruch nehmen zu können, so die Gewerkschaftlerin Lokesh. Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen arbeiteten daher daran, diese Wissenslücken zu schließen und die betroffenen Menschen zu organisieren. 

"Zu Beginn der fünften Woche des großen Hausarrestes werden die wirtschaftlichen Folgen mehr als deutlich", schreibt Marion Müller in ihrem Beitrag „Indien in Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie: ein Bild voller Widersprüche“ (hbs, 28.04.2020) : Etwa 90 Millionen Saisonarbeiter/innen seien arbeitslos, staatliche Hilfsfonds aufgebraucht oder bis an ihre Grenzen ausgelastet. Zu einer täglich steigenden Arbeitslosigkeit komme eine drohende Nahrungsmittelknappheit für ca. 650 Millionen Menschen. Es gäbe nur wenig gut aufgearbeitete Berichte darüber, wie die am stärksten betroffenen Menschen mit der Situation umgehen bzw. umgehen können. Dafür aber umso mehr Medienkampagnen, in denen Minderheiten, Ausländer/innen und vor allem die muslimische Bevölkerung des Landes für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht werden.

„Wenn am Ende der Krise die Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes dem Sterben durch Hunger oder Krankheit überlassen bleibt“, meint Linda Chhakchhuak, „und wir die Chance nicht nutzen, um auch sozial gerecht und ökologisch umzudenken, dann war alles andere sinnlos. Die Frage, die wir uns stellen müssen ist doch die: Wie soll das Indien aussehen, in das wir eintreten, sobald wir die Ausgangssperre verlassen können?“ 

Randgruppen und Minderheiten bekommen die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen der Ausgangssperre sofort und unmittelbar zu spüren, mahnt Mihir S. Sharma in seinem Beitrag „Willkommene Sündenböcke: In Indien treibt das rechte Establishment im Schatten von COVID-19 seine Spaltungsagenda voran“ (igp-journal,m 16.04.2020). „Das Perverse an der populistischer Politik in Indien und anderswo ist, dass die starken Männer sich eklatante Fehler leisten können und ihre Wählerinnen und Wähler ihnen trotzdem keinen Vorwurf machen. Stattdessen werden andere Sündenböcke ausfindig gemacht. In Indien sind dies traditionell die religiösen Minderheiten.“

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