Die jüngste thailändische Protestbewegung war einzigartig: offen wurde über die Monarchie diskutiert. Auch rückten Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und Intersektionalität in den Mittelpunkt. Dies führte durchaus zu konkreten Erfolgen wie der Verabschiedung der Ehe für alle. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass demokratische Ziele nicht losgelöst von inneren Machtverhältnissen verfolgt werden können – insbesondere nicht von patriarchalen Strukturen, die lange Zeit in politischen Bewegungen toleriert oder verschwiegen wurden.
Mit dem Abflauen der Proteste ab 2021 traten interne Spannungen deutlicher hervor. Viele Aktivist:innen berichten von maskulinen Machtstrukturen, informellen Männernetzwerken und fehlenden Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen, was insbesondere Frauen und queere Personen aus der Bewegung drängte. Erfahrungen aus der Graswurzelarbeit zeigen, dass ungleiche Rollenverteilungen, sexuelle Belästigung und autoritäre Führungsstile die Bewegung schwächten und Ressourcen wie Vertrauen, Beteiligung und Kontinuität kosteten.
Jüngere feministische und LGBTQIA+-Gruppen versuchen daher, neue, inklusivere Formen des Aktivismus zu etablieren, die auf Fürsorge, Dezentralisierung und kollektive Entscheidungsfindung setzen. Doch aktuelle Entwicklungen wie der Grenzkonflikt mit Kambodscha und die erneute Sehnsucht nach militärischer „starker Führung“ drohen, alte Muster zu reaktivieren.
Damit bleibt die zentrale Frage offen, was die Protestgeneration eigentlich beenden wollte: nur den Kreislauf aus Militärherrschaft und Autoritarismus – oder auch das Patriarchat selbst. Hat ihr Aufkommen tatsächlich genug Raum geschaffen, damit ausreichend Menschen ihren Platz in der Bewegung finden?
Der Beitrag Maskulinität in Bewegung von von Duangtip Kranrit, Vanessa Moll und Sophie Marijam Grobe erschien in der Ausgabe 2/2025 "Männlichkeiten und Demokratisierung" unseres Online-Magazins südostasien.