Jochen Motte hat unser anwaltschaftliches, solidarisches Handeln zum Schutz und zur effektiven Umsetzung von Menschenrechten aktiv mitgeprägt. Am 8. Januar 2026 ist er leider nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Wir vermissen seine Tatkraft, Beharrlichkeit und menschliche Anteilnahme an unserem Engagement.
Jochen Motte war immer schon ein hellsichtiger Akteur, der nach der praktischen Wirkung unserer Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte fragte. Er hatte dabei nicht allein die Lage in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas im Blick, sondern wusste, dass zivilgesellschaftliches Handeln dort zugunsten der Menschenrechte eng mit politischen Entscheidungen in Deutschland und in Brüssel verknüpft ist, die etwa im Gebiet der Großen Seen, in den Philippinen, in Indonesien, Westpapua, Südasien oder Lateinamerika dort das gesellschaftliche Umfeld für die Verteidigung der Menschenrechte beeinflussen – zum Guten wie zum Schlechten.
Jochen wusste darüber hinaus, dass die Stimmen und Interessen derjenigen, deren Menschenrechte verletzt werden, noch besser Gehör finden, wenn wir Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie offene Räume für zivilgesellschaftliches Handeln gemeinsam vortragen, im Bündnis mit anderen. Er war hier seit Beginn der 1990er Jahre treibende Kraft für das Forum Menschenrechte, das Aktionsbündnis Menschenrechte – Philippinen, das Westpapua-Netzwerk oder die Sri Lanka Advocacy.
Und Jochen wusste, dass manche Muster an Menschenrechtsverletzungen mit einem Länder und Regionen übergreifenden Politikansatz angegangen werden müssen. Im Rückblick scheint es naheliegend, das solidarische Handeln einzelner Netzwerke zugunsten der Menschenrechtsverteidiger:innen vor Ort ebenfalls zu bündeln, um eine größere Aufmerksamkeit und politische Schlagkraft zu erzielen.
Jochen hat das scheinbar Naheliegende mit großer Tatkraft und Beharrlichkeit in Szene gesetzt und den Gründungsprozess des IAN-Bündnisses ab 2014 aktiv mit betrieben. Er hat uns mit seiner Erfahrung und Kenntnis der deutschen Politik viele Türen öffnen helfen. Aus anfänglich einem Dutzend Netzwerke sind ab 2014 zwischenzeitlich zwei Dutzend Netzwerke im IAN-Bündnis aktiv, schreiben thematisch orientierte Jahresberichte und spiegeln die menschenrechtliche Verantwortung deutscher und europäischer Politik in Ländern des Globalen Südens in direkten Gesprächen mit hochrangigen Politiker:innen in Berlin.
Wie groß die Lücke ist, die Jochens Tod für unser solidarisches Handeln bedeutet, lässt das Vorgesagte bereits ahnen: Sie ist unermesslich. Wir verlieren aber nicht nur einen energischen Mitstreiter, sondern auch einen Freund. Die Zusammenarbeit mit Jochen war ohne Zweifel anspruchsvoll, gleichzeitig fair, menschlich zugewandt und offen für andere Vorschläge. Wir werden weiterhin von seinem Vertrauen in unsere Tatkraft und intellektuelle Redlichkeit sowie seinen hohen Standards für unser anwaltschaftliches Handeln zur Verteidigung der Menschenrechte zehren.
Wir möchten Jochens Frau und seiner Familie unsere große Anteilnahme an seinem Tod zum Ausdruck bringen. Er hat uns nachhaltig inspiriert und Gerechtigkeit als zentralen Begriff für sein eigenes Wirken erlebbar werden lassen.
Mit großer Dankbarkeit für sein Wirken, das lebendig bleiben wird!
Adivasi-Koordination in Deutschland e.V.
Aktionsbündnis Menschenrechte – Philippinen
Nepal Dialogforum
Ökumenisches Netz Zentralafrika e.V.
Sri Lanka Advocacy
Stiftung Asienhaus