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südostasien (1/2026): Indigene Wissenssysteme

Indigene Wissenssysteme in Südostasien: Verbundenheit und Verantwortung

Die neue Ausgabe des Online-Magazins südostasien setzt sich mit indigenen Wissenssystemen auseinander.

Liebe Leser:innen der südostasien,

wenn wir über Nachhaltigkeit, Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit sprechen, wird oft übersehen, dass viele der Lösungen, nach denen wir suchen, bereits existieren – und zwar in den Praktiken indigener Gemeinschaften. Die neue Ausgabe der südostasien widmet sich der Verbundenheit und Verantwortung in indigenen Wissenssystemen und zeigt auf, dass dieses Wissen nicht nur lokale Bedeutung hat, sondern auch globale Debatten bereichern kann und sollte.

Vom Wanderfeldbau, der seit Generationen Biodiversität erhält bis zu Wassermanagement-Strategien, die auf mündlich überliefertem Wissen basieren: unsere Beiträge dokumentieren, wie indigene Gemeinschaften in Südostasien lokale Umweltkrisen auch ohne moderne Technologien bewältigen. Ihre Praktiken passen sich ständig an veränderte Bedingungen an. Traditionelles Wissen wird von indigenen Gemeinschaften auch Außenstehenden zugänglich gemacht.

Zwar gewinnen ihre Wissenssysteme zunehmend an Anerkennung. Zugleich sehen sich die indigenen Gemeinschaften mit Bedrohungen konfrontiert: Landraub, politische und ökonomische Marginalisierung und die Kommerzialisierung ihres Wissens durch externe Akteur:innen. Ihre Territorien sind durch Unternehmensinteressen bedroht und mancherorts auch im Namen des Klimaschutzes. Pharmaunternehmen patentieren traditionelles Heilwissen.

Wie können indigene Gemeinschaften ihr Wissen schützen, ohne dabei selbst an den Rand gedrängt zu werden? Eric D. U. Gutierrez zeigt auf, warum Konzepte zum Schutz des geistigen Eigentums wenig geeignet sind, um traditionelles Wissen zu schützen. Sein Artikel aus den Philippinen ebenso wie der von Manyphone Vongphachanh aus Laos geben Einblicke in die vielfältigen Rollen von Heiler:innen, die Medizin- und Kräuterkundige, spirituelle und soziale Autoritäten sowie Hüter:innen der Biodiversität gleichzeitig sind.

Der Redaktion dieser Ausgabe ist es ein zentrales Anliegen, indigene Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen. So berichtet Johanes Wato, wie seine indigene Knasaimos-Gemeinschaft in Westpapua (Indonesien) politischen Widerstand ohne offene Konfrontation leistet. Stattdessen wählt sie einen kreativen Weg: die partizipative Kartierung ihres angestammten Territoriums sowie die Entwicklung gemeinschaftsbasierter Ökotourismusmodelle, die auf traditionellem Wissen beruhen.

Wie können transnationale Solidaritätsbewegungen indigene Gruppen unterstützen, ohne sie zu vereinnahmen? Und wie lässt sich sicherstellen, dass indigene Stimmen in globalen Debatten über Umwelt und Entwicklung Gehör finden? Dass indigene Stimmen aus Amerika wachsende mediale Präsenz erfahren, ist eine ermutigende Entwicklung. Auch die indigenen Gemeinschaften Südostasiens brauchen diese Präsenz, damit sie weiterbestehen – und ihre Erfahrungen an die kommenden Generationen weitergeben können.

Sophia Lippemeier und Sabine Schielmann beschreiben, wie ein virtuelles Klassenzimmer helfen kann, ‚über den eigenen Tellerrand zu schauen‘ und Vorurteile (zum Beispiel über den Wanderfeldbau) abzubauen. Schüler:innen einer Essener Schule haben das im Austausch mit Gleichaltrigen in Mae Yod in Thailand getan, wo ein Teil der indigenen Karen lebt.

Unsere Artikel sehen wir als Beitrag zum weiteren Austausch. Denn sie zeigen, dass indigene Wissenssysteme keine Nische sind, sondern essentiell für eine gerechte und nachhaltige Welt. Wir haben diese Ausgabe „Verbundenheit und Verantwortung“ genannt. Und wir fragen uns und euch: Was bedeutet uns das?

Anett Keller, Marina Wetzlmaier, Mustafa Kurşun, Simon Kaack und Viktoria Szostakowski (Redaktion)

Hier geht es zu Ausgabe: Indigene Wissenssysteme in Südostasien: Verbundenheit und Verantwortung

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