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Timor-Leste: Junges Land auf einem guten Weg?

Mit drei Fragen an Monika Schlicher nehmen wir Rückblick auf Entwicklungen und unsere Arbeit zu Timor-Leste 2024.

Wenn wir auf Menschenrechte und Demokratisierungsprozesse schauen, hebt sich Timor-Leste in Südostasien positiv ab. Im Index von Freedom House steht das Land vergleichsweise sehr gut da. Wie ist das zu bewerten, spiegelt das die Realität wider?

Timor-Leste hat in der Tat im letzten Jahrzehnt vieles erreicht. In der Realität liegt die größte Herausforderung, mit der die demokratischen Institutionen konfrontiert sind, aber nicht in ihrem Ausmaß an Engagement für demokratische Grundsätze und Werte, sondern darin, wie die Demokratie gut funktionieren kann, um wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu gewährleisten.

Das Land kämpft nach wie vor mit scheinbar unlösbaren Problemen wie Unterernährung von Kindern, geschlechtsspezifischer Gewalt, Korruption, hoher Jugendarbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven.

Dominiert wird die Politik weiterhin von informellen Elitenetzwerken und der Generation, die den Widerstand gegen Indonesien getragen hat. Ihre Rivalitäten, verbunden mit einem ausgeprägten Patronagesystem, beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit der demokratischen Institutionen und blockieren die wirtschaftliche Entwicklung.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zieht sich aus Timor-Leste zurück. Warum ist es wichtig, dass die Stiftung Asienhaus ihr Engagement zu Timor-Leste fortsetzt?

Mit Bedauern wurde in Timor-Leste die Beendigung der bilateralen staatlichen Zusammenarbeit im Rahmen des Reformkonzeptes BMZ 2030 aufgenommen. Das wird den Herausforderungen, vor denen das Land steht, nicht gerecht. Zudem verstärkt sich damit die Tendenz, dass das Land immer weniger Aufmerksamkeit erfährt. Umso wichtiger sind unsere Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie unser solidarisches Zusammenwirken mit den zivilgesellschaftlichen Kräften in Timor-Leste.

Was war 2024 das Highlight deines Engagements zu Timor-Leste?

Sicherlich unser Workshop beim Asientag zu Feminismus und Widerstand in Myanmar und Timor-Leste. Hierzu konnten wir Aktivistinnen der jüngeren Generation aus den Ländern zusammenbringen. Ihr Engagement, ihr Potential und ihre Stärke, mit der sie sich für die Teilhabe von Frauen an der Entwicklung ihres Landes einsetzen, haben mich sehr beeindruckt. Eine anregende Abendveranstaltung war auch die Lesung mit dem Autor Felix K. Nesi, der sein Buch „Die Leute von Oetimu“ in einer Kölner Buchhandlung vorgestellt hatte. Der eindrucksvoll erzählte Roman setzt sich kritisch mit Geschichte, Gewalt und Kolonialismus auseinander.

Monika Schlicher arbeitet in der Stiftung Asienhaus zu Timor-Leste, die Fragen stellte Raphael Göpel (Stiftung Asienhaus)

aus: Zivilgesellschaft im Fokus - der Jahresbericht 2024 der Stiftung Asienhaus

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