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Corona in Indonesien: Ein Update

Aufklärungskampagne zu COVID-19 in West Java, Indonesien (Foto: Hendra Pasuhuk).

Indonesiens Pandemiemaßnahmen fehlte es anfangs an Effizienz, dann wurde das Land in 2021 hart von der „Delta-Welle“ getroffen. Die Lage hat sich seither verbessert, aber nicht für alle. Ein Kurzüberblick.

Hendra Pasuhuk berichtete im Artikel „Das Virus und die Regierungspolitik in Indonesien“ für unsere Broschüre „Corona in Asien“ über die ersten Monate nach Ausbruch der Pandemie. Zwei Jahre danach haben wir ihn für ein Update der Lage befragt. 

Wie hat sich die Corona-Pandemie in Indonesien seither entwickelt?

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat die Regierung die Impfkampagnen erheblich erweitert, vor allem in den Ballungszentren von Sumatra, Java und Bali. Indonesien hat zudem auch selbst ein „nationales Vakzin“ entwickelt.

Das ist eine interessante Entwicklung. Es kommen zwei neue Impfstoffe auf den Markt, die auch im Land produziert werden. Indovac wurde mit einem US-amerikanischen Partner entwickelt und AWcorna ist ein chinesischer Impfstoff. Kannst du uns mehr darüber berichten?

Bisher gibt es nur Indovac, die aber nur gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt werden. Zu AWcorna liegen noch keine genaueren Informationen seitens der Regierung vor. Kostenlos werden weiterhin nur chinesische Impfstoffe verabreicht. Auch Impfstoffe von Biontech/Pfizer gibt es meistens nur gegen Bezahlung.

Inwiefern wurden die 2020 laufenden Regierungsmaßnahmen (nachzulesen im Artikel von 2020) geändert oder angepasst?

Body Thermal Scan an einem Mall-Eingang in Jakarta (Foto: Hendra Pasuhuk)Man hat seitdem mehrere Hilfspakete beschlossen, auch für die Kleinbetriebe.
Mittlerweile hat Indonesien die Pandemie ziemlich gut im Griff. Die Kapazitäten von Krankenhäusern wurden ausgeweitet, es gab Impfkampagnen, eine App und nun wurde, wie gesagt, sogar ein eigener Impfstoff entwickelt.

Das Gesundheitssystem kollabierte im Juli 2021. Tausende (bisher – offiziell – knapp 160.000 Menschen) starben an COVID-19. Wie ging die Bevölkerung mit der Krise um?

Das war schlimm. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind für viele dramatisch: Tausende Menschen haben ihren Job verloren oder mussten ihre Kleinstbetriebe wie Restaurants oder Shops aufgegeben. Sie kehrten in ihre Dörfer zurück, um neu anzufangen. Andere schickten ihre Kinder zu ihren Verwandten im ländlichen Raum, da die Lebenskosten in den Städten enorm gestiegen sind.

Es gab große Kritik am ungerechten Zugang zu Impfstoffen. Für marginalisierte Gruppen, Menschen in Armut oder im ländlichen Raum war und ist dieser weiter erschwert. Kannst du uns mehr über die Probleme und Hintergründe erzählen?

Hier gibt es kaum Verbesserungen. Das Problem ist, dass diese Menschen oft nicht in den offiziellen Einwohner:innen-Registern eingetragen sind und daher kaum Zugang zu staatlichen Hilfsmaßnahmen haben. Seit die Regierung die Digitalisierung vorantreibt, muss sich jeder eigentlich irgendwie registrieren. Dazu braucht man aber mindestens zwei offizielle Dokumente, wie z. B. eine Geburtsurkunde oder ein Schulzeugnis, die die Identität bestätigen. Viele besitzen aber solche Dokumente nicht.

NGOs berichteten, dass während der Pandemie die Rechte von Minderheiten weiter eingeschränkt wurden. Repressalien gegenüber religiösen Minderheiten nahmen zu, daneben haben wir auch besorgniserregende Einschränkungen von Pressefreiheit und Recht auf freie Meinungsäußerung beobachtet. Wie schätzt du das ein?

Dies ist insofern richtig, da die Zentralregierung kaum Kontrollmöglichkeiten in den abgelegenen Regionen hat. Durch die Regionalautonomie hat ein Regionalbeamter wesentlich mehr Macht und Möglichkeiten, selbst Verordnungen und Bestimmungen herauszugeben. Es gibt in vielen Gegenden z. B. Verordnungen, dass Schülerinnen ein islamisches Kopftuch tragen müssen, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit. Bestimmte religiöse Gruppen wurden bei Hilfszuteilungen bevorzugt und andere Gruppen benachteiligt.

In ruralen Gebieten kam es auch vermehrt zu illegalen Landnahmen durch Unternehmen, die den Pandemiefokus bei Behörden, Medien und Bevölkerung nutzen. Werden diese Landkonflikte nun, auch von Behördenseite, angegangen?

Leider nein. Die Zentralregierung möchte ja gerade Investitionen ankurbeln und die Wirtschaft nach der Pandemie stützen. Nach Lesart der politischen Elite in Jakarta sind Meinungsfreiheit und individuelle Rechte durch die Verfassung garantiert, solange diese aber die Wirtschaftsentwicklung nicht behindern. Ansonsten hat die Wirtschaftsentwicklung aber erste Priorität, und dies muss auch von Polizei und Militär durchgesetzt werden.

Die Pandemie dauert an. Wie ist die aktuelle Corona-Lage (Oktober 2022) in Indonesien?

Insgesamt zählt die offizielle Statistik bis Mitte Oktober 6,5 Millionen Infizierte mit 6,3 Millionen Genesenen und knapp 159.000 Todesfällen. Im Moment gibt es ca. 19.000 positiv Getestete im Land.

Hendra PasuhukÜber den Gesprächspartner: Hendra Pasuhuk ist Redakteur für Südostasien und Asienmagazine bei der Deutschen Welle sowie Trainer für interkulturelle Kommunikation.

Interview: Raphael Göpel für die Stiftung Asienhaus

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